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Waldästhetik, Ronald Nickel, 15. Dezember 2014

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Manuskript zum Vortrag am 15. 12 in Hirschberg-Leutershausen

Ich begrüße sie sehr herzlich und ich bedanke mich dafür ihnen etwas zu einem Thema vortragen zu dürfen, welches weit am Zeitgeist vorbei. Ich werde dabei fast vollständig auf Zitate unserer Dichter und Denker verzichten, es wäre leicht gewesen die nächsten Minuten mit Auszügen aus den Werken unserer Philosophen zu füllen.

Ich werde die sachliche Ebene verlassen, Emotionen, Gefühle ansprechen. Dazu zeige ich ihnen auch einige Bilder, die Bilder des Zyklus eines Jahres. Nichts Besonderes, es ist der Wald, die Landschaft wie ich, wie wir sie kennen, im Großen und im Kleinen.
https://www.youtube.com/watch?v=gT7owXakMpc

Es ist kein überladener Film, so wie man sie vom Fernsehen her kennt, der in die Vogelnester schaut, in die Tierhöhlen blickt, den Wald als begehbares Gehege eines Zoos darstellt.

So eine Tiersendung führt dann dazu, dass der wandernde TV-Zuschauer, enttäuscht darüber ist, wenn er im Wald keine Tiere sieht, diese dann gar für verhungert, erschossen, überfahren oder ausgestorben hält.

Wer bin ich ?
Geboren 1956, Chemielaborant, ITler, verheiratet seit 1978, Vater dreier Söhne, Großvater einer Enkelin.
2005 Deutschlandlauf, Rügen nach Lörrach 17 Tage 1200 km.

Das ist eine sachliche Beschreibung, Zahlen und Fakten, bin ich das wirklich?

Wir kennen alle einen Waldzustandsbericht? Zahlen und Fakten, x tausende Bäume auf y km² Fläche, z verschiedene Tier - und Pflanzenarten in der Region xyz. Die Zahlen werden argumentativ herangezogen, zur Entscheidungsgrundlage gemacht, aber beschreiben diese Listen wirklich unseren Wald, unsere Landschaft, unsere Heimat?

Weißt du was ein Wald ist?
Ist ein Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz?
Oder ist er reine Menschenfreude?
Bertold Brecht

Als Kind, erzählte mir mein Vater einmal, wenn man in Ruhe, lange genug die Zeiger der Küchenuhr betrachtet sieht man irgendwann wie sich die Zeiger bewegen. Dies war eine Uhr wie man sie heute nicht mehr kennt, eine Uhr die täglich aufgezogen werde musste. Ich konnte es dann Tage später, alleine in der Küche sitzend nachvollziehen. Ohne Ablenkung, die Zeit vergessend sah ich, wie der große Zeiger sich langsam aber stetig bewegte. - Wenn ich es zulasse, sehe ich heute die Bäume im Wald wachsen.

Ich habe viele lange Trainingsläufe, über Stunden hinweg im Wald absolviert, ich habe dabei viele kleine Änderungen wahrgenommen die der Wald anbietet. Ich habe schätzen gelernt was der Wald uns geben kann, wenn wir uns darauf einlassen. - Wenn man die Bäume wachsen sieht.

Unser Alltag ist bestimmt durch eine Linearität. Die Raumtemperatur ist angenehm geregelt, im Winter wird geheizt, im Sommer gekühlt, wird es dunkel, lassen wir, umweltbewusst natürlich LEDs leuchten. Der Boden ist eben, ohne Stolperfallen, es gibt Rolltreppen und Fahrstühle und Gebäude die man den ganzen Tag nicht zu verlassen braucht.


Im Wald werden wir durch Zyklen bestimmt, es sind die wiederkehrenden Jahreszeiten und der Tagesrhythmus. Ja, wir sind sogar einer Willkür ausgeliefert, Regen, Schnee, Hagel, Wind, ein Baum ist über den Weg gestürzt, ein morastiger Weg liegt vor uns.

Wir bekommen dadurch aber auch die Chance uns als Individuum zu erkennen, die Situation in der ich bin ist einzigartig, ich bin es auch. Ich bin nicht einer von Tausenden in einer Fußgängerzone, ich bin hier und ich bin jetzt. Deutlich wird dies wenn wir im Wald Fremden begegnen, man grüßt sich, man unterhält sich, man erzählt.

Das Erleben ist intensiver, der Moment ist wichtiger, wenn ich jetzt keinen Pullover habe, werde ich frieren, ohne Schirm werde ich nass, wenn ich trödele wird die Dunkelheit kommen.
Das Erleben von Schönheit und Erhabenen führt zu Demut und Bescheidenheit und damit auch zu Zufriedenheit und inneren Ruhe.

Ich sehe im Wald die Spuren der Vergangenheit, Mauern, Hecken und Gräben, mittelalterliche Wege und Fluchtburgen, Jahrtausende alte Gräber und Steinbrüchen. Diese Zeugen vergangener Epochen lassen mich erkennen, ja die Gegenwart ist jetzt. Der Moment wird sich nicht mehr wiederholen, er ist unwiederbringlich vorbei. Wiederholungen gibt es in den Medien, in einer künstlichen Welt, nicht in der Natur, nicht im Wald. Zu vielfältig ist die Natur, zu vielfältig ist der Wald.
Es gibt zyklischen Veränderungen, die Sonne hat sich weiterbewegt (Es ist wirklich die Sonne die sich bewegt hat, denn ich bin Mittelpunkt), es ist aber auch die Wolke, die sich vor die Sonne geschoben hat, das Blatt welches sich vom Zweig gelöst hat. Hermann Hesse beschreibt in vielen Gedichten einen starken Trennungsschmerz, ja wir erkennen, jeder Moment ist Erinnerung sobald wir ihn gierig aufsaugen, wahrnehmen.

Das Spiel von Licht und Schatten, das leise Rauschen der Blätter, das Knacken von Zweigen, schon allein der Geruch des Waldes gibt uns die Möglichkeit dem Alltag zu entfliehen. Wir können Schönheit aufsammeln, tief in uns mitnehmen.
Schon oft habe ich, von im Ausland erfolgreich lebenden Deutschen gehört: „Ich vermisse nichts an Deutschland, außer den Duft des deutschen Waldes“. So tief ist unsere Verbindung mit dem Wald, der auch für unserer Landschaft, für unserer Heimat steht.
Wer aber jetzt meint der deutsche Wald würde positive Emotionen nur bei Deutschen hervorrufen, weit gefehlt, ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass auch Menschen aus anderen Ländern, Kontinenten den deutschen Wald als schön und wertvoll empfinden.

Wenn es uns gelingt Schönes zu erkennen, nähren wir das Gute in uns. Das mag pathetisch klingen, besonders im heutigen Zeitalter der Sachlichkeit und Personal Trainer „Denke positiv“ „Tschakka“ „Du kannst wenn du nur willst.“ Dem Denken ist sind entscheidende Schritte vorgelagert, besonders die „Wahrnehmung“! Sind die Wahrnehmungen von Schönem geprägt, wird die Einstellung positiv sein. Sind die Wahrnehmungen hässlich wird man „mies drauf sein“.
Ich erinnere an die allgemein bekannte Zeile: „Wo man singt, da laß' dich ruhig nieder,: böse Menschen haben keine Lieder.“
Dazu eine kurze Bemerkung aus Asien: Man nährt die Samen der guten Eigenschaften, die man in sich trägt, mit dem Schönen, dass man wahrnimmt. Die Samen der schlechten Eigenschaften werden mit hässlichen Wahrnehmungen genährt.

Das zweckfreie Wahrnehmen kann auch als Meditation beschrieben werden „Ich sehe die Bäume wachsen“. Aristoteles soll das zweckfreie Denken als das höchste Vergnügen des Menschen angesehen haben. Auch Kunst ist reiner Selbstzweck, dient nur sich selbst, sie ist nicht fremdbestimmt.


Die Wahrnehmungen und Gefühle die wir beim Betrachten von Gemälden, dem Hören von Musik, dem freiwilligen Studium der Literatur empfinden sind ähnlich denen die wir in unseren Wäldern erfahren können. Ich setze den Wert des Waldes, großen Kunstwerken gleich. Nur, im deutschen Wald ist der Genuss/Eintritt kostenlos. Kostenlos wird leider oft gleichgesetzt mit wertlos? Es gibt Länder in denen wird eine Landschaftsabgabe erhoben. Mit diesem Geld wird der Charakter der Landschaft erhalten. Wäre das eine Alternative für den Soli?

Die Ästhetik erschließt sich mir aber nur wenn ich diese zweckfrei und ohne störende Einflüsse erfahren kann. Dabei muss Ästhetik nicht unbedingt mit Schönheit gleichzusetzen sein, auch das Hässliche kann ästhetisch sein. Unästhetisch ist etwas, dass keine Beachtung findet oder gegen die ethischen Werte der Gesellschaft verstößt, als Spitzenreiter empfinde ich leider oft die sensationslüsternen Nachrichten im Fernsehen.

Als Schön werden, im großen Konsens, bewaldete Hügel empfunden mit Feldern, Wiesen, Bächen, Seen, Straßen, Ortschaften mit Kaminen die im Winter rauchen.

Es gibt aber störende Einflüsse, an die wir uns nicht gewöhnen. Dazu gehört Lärm von Autobahnen, Bundesstraßen, Eisenbahn. Auch Hochspannungsleitungen gehören dazu, obwohl diese sich schon seit über 100 Jahren durch die Landschaft schneiden, ich empfinde sie störend. Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich sage, an riesige Rotoren über dem Wald, über der Landschaft thronend, werde ich mich nie gewöhnen, meine negativen Wahrnehmungen werden bleiben. Sollten diese Ungetüme in der Landschaft stehen ist dichter Nebel die schönste Wetterlage.

Naturschutz, sind positive Emotionen. Lassen sie es mich deutlich machen.
Wenn ich die Schönheit eines lieben Menschen beschreiben möchte, werde ich eines nicht tun, dies mit dem Farbcode seiner Augen oder Haare. Ich werde das Blitzen der Augen, das Lächeln beschreiben, den Duft der Haare und vieles mehr.

Wollen wir den Wald beschreiben, tun wir das gerne mit einer Sachlichkeit die dem Farbcode der Augen gleicht und wundern uns, dass man uns nicht versteht. Es ist das weiche, diesige Licht, das sanfte Rauschen der Blätter, das Rehlein auf der Lichtung, das Plätschern des Baches im Sonnenlicht, der pilzig-modrige Geruch im Herbst, der harzige Duft beim Einschlag von Fichten und Kiefern.
Wir scheuen uns diese Sehnsucht offen zu bekennen. Es ist die Werbeindustrie die sich dieser Gefühle reichlich bedient, mit der Schönheit der Natur, lässt sich Bier, lassen sich Pillen gegen Inkontinenz verkaufen und es werden Erneuerbare Energien offeriert.

Naturschutz ist positive Emotion, die Liebe zu Tieren, Pflanzen, Landschaft, Kulturlandschaft und auch den Mitmenschen. Dies ist aber eine Gradwanderung. Vom Kitsch zur Philosophie, vom röhrenden Hirschen über dem Sofa, bis hin zum „Erhabenen“ das über die Schönheit hinaus-gehende. (Ästhetische Theorie - Immanuel Kant, Theodore W. Adorno)
Bei dieser Gradwanderung darf eine Gruppe von Naturliebhaber aber nicht unerwähnt bleiben, die zahlreichen Heimatdichter, leider sind viele dieser Naturliebhabern durch eine teils übersteigerte Wertschätzung, die sie im Nationalsozialismus erfahren haben in Verruf geraten und mit ihnen viele ihrer Werke.

Bei den Erneuerbaren Energien wird es besonders deutlich, der Gegenspieler des Naturschutzes ist der Umweltschutz. Das Geschäft mit der Angst nimmt sehr oft keine Rücksicht auf das was der Naturschutz erhalten möchte.

Angstthemen des Umweltschutzes sind oder waren: Mobilfunk, saurer Regen, Waldsterben, Elektrosmog, Ozonloch, Castortransport, Chemie in Lebensmittel, Hühnereiskandal, Feinstaub, Fracking, Gentechnik, Anstieg des Meeresspiegels, Luftverschmutzung, Klimawandel, Plastiktüten usw.

Es ist ein Geschäft mit dem schlechten Gewissen, wir erinnern uns: „Mit einem Kasten Bier konnte man mal den Regenwald retten.“

Für den etablierten Politiker ist diese Situation nahezu ideal.
Kann er doch ungestraft postulieren „Wenn du dich an der Umwelt versündigst hat das Konsequenzen!“
Mehr noch, der Kommunal -, Land - oder Bundespolitiker beschützt dich, das macht er doch gerne. Dazu braucht er aber dein Geld, deine Stimme, dein Wohlwollen. Wird das Ziel nicht erreicht, hat das Böse, meist der politische Gegner den Erfolg des Guten verhindert/blockiert. Sollte er den Erfolg wirklich im Amt erleben, kann er sich feiern lasse. Ach, ist das komfortabel, wenn man mit einer Absichtserklärung, meist über eine Legislaturperiode hinweg, erfolgreich Politik machen kann.

Um das hehre Ziel der Weltenrettung zu erreichen kaufe den Kühlschrank A+++, akzeptiere die Windkraftanlagen, akzeptiere steigende Strompreise, akzeptiere die Politik sonst schlägt die Umwelt mit einer Katastrophe zurück, die Umwelt wird damit zum strafenden Stellvertreter. Das ist nichts anderes als ein moderner, perfider, grüner Ablasshandel, ein Gebaren von dem ich dachte, es wäre von Martin Luther beendet worden.

In einer Zeit der politischen Korrektheit und im Zeitalter der emotionslosen Sachlichkeit, - Emotionen sind im Berufsleben und im Alltag zu unterdrücken. Bedarf es schon eines gewissen Mutes sich zur Schönheit unserer Heimat zu bekennen. Einer Schönheit die nicht zweckgebunden ist, einer Schönheit die positive Wahrnehmungen entstehen lässt. Zu einen Wald der Menschenfreude.

Ich bekenne mich zum Naturschutz, der Liebe zu Tieren, Pflanzen, Landschaft, Kulturlandschaft und den Mitmenschen. Die Menschenfreude die damit verbunden ist, gilt es auch für unsere Kinder zu bewahren.

Ronald Nickel
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Waldästhetik, Ronald Nickel, 15. Dezember 2014

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